Meristem Vermehrung (vegetativ)

Phalaenopsis Hybriden und andere Orchideen als Massenware
Heutzutage werden jedes Jahr viele Millionen Phalaenopsis Hybriden und andere Orchideen in Blumengeschäften, Pflanzenmärkten oder Baumärkten angeboten und verkauft.

Allein die NEON Gruppe, ein Zusammenschluß von 6 Orchideenzüchtern aus der Schweiz, Dänemark und Deutschland bringt jedes Jahr 5 Millionen blühende Orchideen auf den Markt. Darunter alleine ca 2 Millionen Mini Phalaenopsis „Little Lady“.

Und alle diese Orchideen haben die durch Züchtung erreichten Eigenschaften und das gleiche Aussehen in Form und Farbe der Blüte der Elternpflanzen.


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Generative Vermehrung
Auf generativem Wege, also durch Aussaat kann man diese Menge an gleich aussehenden Orchideen nicht herstellen. Denn bei der generativen Vermehrung würden ja die Eigenschaften der Elternpflanzen vermischt, und es würden Kinder mit neuen Eigenschaften und Blütenfarben hervorgebracht. Das ist zwar für die Züchtung neuer Sorten interessant und erwünscht, für die Massenvermehrung ein unbrauchbares Verfahren.

Wenn aber die generative Vermehrung als Methode für die industrielle  Massenver-mehrung von Orchideen oder auch anderen Garten- und Balkonpflanzen ausscheidet, bleibt nur die vegetative Vermehrung übrig.

Meristemvermehrung
Da die vegetative Vermehrung in Form von Teilung der Pflanzen oder dem Eintopfen von Kindeln auch keine Massenproduktion ermöglicht, greifen die Züchter zur sogenannten in vitro-Gewebekultur oder Meristemvermehrung.

Bei dieser Technik macht man sich die Tatsache zu Nutze, das Zellen oder Zellhaufen des Bildungsgewebes an den Sproß- oder Wurzelspitzen, das Meristemgewebe auf speziellen Nährböden unter sterilen Bedingungen von alleine wachsen und neue vollständige Pflanzen bilden.

In der Praxis werden den Orchideen oder anderen zu vermehrenden Pflanzen diese Meristeme an den Sproßspitzen entnommen. Diese werden im nächsten Schritt zunächst desinfiziert um eventuell vorhandene Pilze oder Bakterien abzutöten.

Dann werden unter dem Mikroskop in winzige Teile zerlegt und dann auf speziellen Nährmedien in Kulturschalen unter sterilen Bedingungen und zu Hilfenahme von Phytohormonen zum Wachsen angeregt. Im Laufe der nächsten Wochen bilden diese Zellhaufen winzige Wurzeln und Sprosse aus.

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So werden in mehreren Schritten eine unbegrenzte Anzahl identischer Klone der Mutterpflanze erzeugt und in den ersten Wochen in belichteten Regalen im Labor kultiviert. Ab einer gewissen Größe der Jungpflanzen verlassen diese die sterilen Bedingungen des Labors, werden getopft und im Gewächshaus weiterkultiviert.

Bis zur Blühreife und somit zum Verkauf benötigen aus in vitro-Kultur hervorgegangene Phalaenopsis Hybriden dann etwa drei Jahre.

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